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WEG MIT DEN CHEFS! WIR STEUERN MIT HOLOKRATIE.

HOLOKRATIE? WAS IST DAS?

Wir wissen nicht wie es dir geht, aber die meisten Unternehmen, die wir kennen, sind hierarchisch aufgebaut. Das heißt, sie haben eine pyramidenartige Struktur, bei der das Management ganz oben sitzt und die Mitarbeiter je nach Ranghöhe weiter unten. Entscheidungen werden nach dem Top-Down Ansatz gefällt, was soviel bedeutet, dass sie vom Management getroffen und die Aufgaben dann zur Bearbeitung nach unten an die Mitarbeiter weitergereicht werden. Pyramidenartig ist das ganze deshalb, weil es mehr Mitarbeiter (die unten sitzen) gibt als Manager (die oben sitzen).

Über die Jahre hat sich an diesem Unternehmensgerüst relativ wenig getan. So ist es nicht verwunderlich, dass vielleicht auch du sofort die Pyramidenstruktur und den Top-Down Ansatz im Hinterkopf hast, wenn du an den Aufbau und die Funktionsweise von Unternehmen denkst.

ES GEHT AUCH ANDERS!

Eine durchaus spannende und sehr moderne Alternative zu diesem klassischen Unternehmensaufbau heißt Holokratie. Holokratie beschreibt eine neue Art, Unternehmen zu strukturieren und zu führen. Weg von klassischen Hierarchiegefällen hin zu mehr Mitarbeiterbeteiligung und Demokratie. Anstatt von oben nach unten zu regieren, werden bei Holokratie ALLE Mitarbeiter eines Teams gleichermaßen in Entscheidungsprozesse einbezogen; selbst in diejenigen Entscheidungsprozesse, die sonst ausschließlich dem Management vorbehalten sind, wie z.B. der Anstellung neuer Mitarbeiter oder der Festlegung von Gehältern.

WOHER KOMMT HOLOKRATIE?

Das Holokratie Modell wurde im Jahr 2007 vom US-Amerikaner Brian Robertson erfunden. Dieser hatte eine Firma namens Ternary Software, in der er mit neuen Organisationsformen experimentierte. Er probierte viele verschiedene Ansätze für sich aus und entwickelte schließlich das Holokratie Modell, das sämtliche Vorteile der anderen Ansätze in sich vereinte.

Holokratie fußt auf den Grundsätzen:

  • Mehr Autonomie für den Einzelnen,
  • Purpose-Orientierung (was soviel wie Sinnhaftigkeit der Arbeit bedeutet),
  • Schnelle Entscheidungswege und
  • Innovation.

2010 schrieb Brian Robertson sein Modell und all seine Learnings nieder und veröffentliche die sogenannte „Holacracy Constitution“. Diese stellt eine Art Verfassung dar und erklärt die grundlegenden Prinzipien und Praktiken von Holokratie. Seitdem gilt die Holacracy Constitution als Leitfaden für Unternehmen, die Holokratie bei sich einführen möchten.

WIE FUNKTIONIERT HOLOKRATIE IN DER PRAXIS?

Wie bereits gesagt, basiert Holokratie auf bestimmten Grundsätzen. Als wir uns die Holacracy Constitution etwas genauer angeschaut haben, konnten wir folgende wesentliche Unterschiede zu klassischen hierarchischen Unternehmen feststellen:

ROLLEN STATT TITEL UND STELLEN­BESCHREIBUNGEN

Der größte Unterschied im Vergleich zu klassisch aufgebauten Unternehmen liegt vermutlich im Rollenverständnis der Mitarbeiter. Anstatt Titel wie Manager oder Vice President zu vergeben und darauf basierend zu bestimmen, wer Chef ist und Entscheidungen fällen darf und wer nicht, entfallen diese Titel in holokratischen Unternehmen gänzlich. Stattdessen verfügen alle Mitarbeiter gleichermaßen über Entscheidungsgewalt. Ähnlich verhält es sich mit Stellenbeschreibungen, die in hierarchischen Unternehmen den genauen Aufgabenbereich von Mitarbeitern abstecken. In holokratischen Unternehmen gibt es keine fixen Stellenbeschreibungen. Vielmehr werden Aufgabenbereiche hier dynamisch betrachtet und können sich im Zeitablauf je nach Unternehmensbedürfnissen und der aktuellen Lage, in der sich ein Unternehmen gerade befindet, verändern. So kann ein Mitarbeiter nicht nur 1 Rolle innehaben (wie z.B. Social Media Marketing), sondern mehrere Rollen gleichzeitig besetzen (z.B. Social Media Marketing UND Budgetplanung fürs Marketing).

KREISE ANSTATT ABTEILUNGEN

Holokratische Unternehmen denken in Kreisen statt in Abteilungen. Es gibt folglich keinen Abteilungsleiter, der einem Mitarbeiter Aufgaben zuweist und an den berichtet wird.

Holokratie Begründer Brian Robertson vergleicht die Funktionsweise von Unternehmen mit der des menschlichen Körpers: Jedes Organ im Körper eines Menschen funktioniert bekanntlich autonom und trotzdem stehen alle Organe miteinander in Zusammenhang. So ist es auch in holokratischen Unternehmen. Jeder Aufgabenbereich ist hier stellvertretend für ein Organ zu sehen und wird laut Brian Robertson als Circle (=Kreis) bezeichnet. Konkret heißt das: Jeder Unternehmensbereich stellt ein Organ bzw. einen Kreis dar. Das Marketing eines Unternehmens ist beispielsweise ein eigenständiger Kreis, die IT ist ein eigenständiger Kreis, die Finanzen sind ein eigenständiger Kreis und so weiter. Wächst ein Unternehmen, können die einzelnen Kreise in Sub Circles (=Unterkreise) untergliedert werden. Es gibt also nicht mehr nur den Kreis Marketing, sondern auch die Unterkreise Social Media, TV-Werbung und Employer Branding. Bezogen auf einzelne Mitarbeiter bedeutet das, dass diese in den Kreisen verschiedene Aufgaben übernehmen können. So kann die Mitarbeiterin Jana Schmidt zum Beispiel für die TV-Werbung im Kreis „Marketing“ zuständig sein und sich gleichzeitig um die dafür notwendige Budgetplanung im Kreis „Finanzen“ kümmern.

Wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Wenn Jana Schmidt in ihren Kreisen auf ein Problem stößt, das behoben werden muss, oder eine Entscheidung für ihr weiteres Handeln braucht, muss sie sich nicht mehr an einen Vorgesetzten wenden und diesen davon überzeugen, das Problem zu lösen. Stattdessen kann sie den Kreis bitten, ihr die Befugnis zu geben, das Problem selbst zu lösen. Indem in holokratischen Unternehmen jeder Einzelne befähigt ist Entscheidungen zu treffen, wird Führung über das gesamte Unternehmen verteilt, was Innovationen fördert und die Effizienz steigert.

ITERATIVE VERÄNDERUNGEN STATT GROSSE UMSTRUKTURIER­UNGEN

Ein weiterer Grundpfeiler von Holokratie liegt im Umgang mit unternehmensinternen Umstrukturierungen. Während diese in klassischen Unternehmen alle Jahre wieder und dann in einem großen Rutsch stattfinden, setzen holokratische Unternehmen auf ein interatives Vorgehen, was soviel bedeutet, dass schnell auf Veränderungen reagiert und erforderliche Anpassungen im Unternehmen zeitnah vorgenommen werden.
Ziel ist es, das Unternehmen auf dem neuesten Stand und somit wettbewerbsfähig zu halten. Veränderungen treten schließlich in immer kürzer werdenden Zyklen auf, weil Technologie und Wirtschaft sich rasant weiterentwickeln. Holokratie möchte sicherstellen, dass ein Unternehmen nicht den Anschluss verpasst und setzt deshalb auf ein eng getaktetes Review von Unternehmensprozessen und -strukturen. Unter anderem finden regelmäßig sogenannte „Governance-Meetings“ statt, bei denen innerhalb eines Kreises diskutiert wird, wie Rollen und Prozesse zukünftig organisiert werden sollen und ob es Anpassungsbedarf gibt.

TRANSPARENZ STATT BÜROPOLITIK UND VITAMIN B

Büropolitik und Vitamin B dürfte wohl jedem, der in einem klassischen Unternehmen gearbeitet hat, ein Begriff sein. Mitarbeiter mit Insiderinformationen und engen Beziehungen zu Vorgesetzten machen Karriere und kommen voran, während andere, potenziell qualifiziertere Mitarbeiter gefühlt „stehenbleiben“.
Holokratie wirkt diesen informellen Prozessen entgegen, indem es auf Transparenz setzt und die operativen Bedürfnisse des Unternehmens im Fokus hat. Es gibt keine Titel und keine Weisungsbefugnis. Mitarbeiter sind frei in ihren Entscheidungen und können Problemlösungen selbst herbeiführen. Die Funktionsweise und das Regelwerk von Holokratie sind detailliert in der Holacracy Constitution festgehalten, so dass jedem im Unternehmen klar ist, welche Rechte und Pflichten er hat. Die Verfassung ist entsprechend von jedem Mitarbeiter zu studieren und zu befolgen. Dadurch wird sichergestellt, dass Büropolitik und Vitamin B in holokratischen Unternehmen keine Rolle spielen und die Priorität auf der Erledigung der eigentlichen Arbeit liegt, um das Unternehmen voranzubringen.

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WO WIRD HOLOKRATIE BEREITS ERFOLGREICH EINGESETZT?

Mittlerweile gibt es eine Reihe von Unternehmen, die Holokratie erfolgreich für sich einsetzen und vom Konzept überzeugt sind. Darunter unter anderem der amerikanische Online-Händler Zappos.com, der Schuhe und Kleidung übers Netz verkauft und über 1.500 Mitarbeiter hat. Die Story von Zappos.com ist bemerkenswert, denn es war nicht einfach für die Firma, Holokratie über alle Mitarbeiter hinweg einzuführen. Einer der Hauptgründe, warum Zappos.com den Schritt in 2013 gegangen ist, war der Wunsch agiler zu werden und sich schneller an ein veränderndes Unternehmensumfeld anpassen zu können. 2015 verkündete CEO Tony Hsieh, dass es keinen Schritt zurück gäbe und dass Mitarbeiter sich entweder anpassten oder das Unternehmen gegen Abfindung verlassen sollten. Infolgedessen kündigten fast 18% der Mitarbeiter ihren Job. Ein herber Schlag für das Unternehmen. Trotz allem hielt Zappos.com weiterhin an Holokratie fest, was dazu führte, dass das Modell mittlerweile vollständig im Unternehmen etabliert ist.

Ein deutsches Beispiel für ein Holokratie Unternehmen ist der WordPress-Hosting Anbieter Raidboxes aus dem westfälischen Münster. Raidboxes hat Holokratie 2016 eingeführt und lebt seitdem nach diesem Modell. Die vier Hauptgründe für die Entscheidung fußten auf der Erkenntnis, dass viele Angestellte in klassischen Unternehmen unzufrieden in ihrem Job sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gallup Studie aus dem Jahr 2016. Raidboxes-Gründer Johannes wollte unbedingt verhindern, dass es seinen Mitarbeitern genauso ergeht und so führte er Holokratie ein, wodurch er folgende 4 Dinge erreichen wollte:

  1. Persönlichen Frust bei Mitarbeitern minimieren
  2. Mehr Freiheit für den Einzelnen schaffen
  3. Mehr Freiheit für den „Chef“ erreichen
  4. Bessere Skalierbarkeit des Unternehmens und mehr Agilität herbeiführen

Nach über 2 Jahren gelebter Holokratie kommt Raidboxes zu dem Schluss, dass dieser radikale Schritt sich für das Unternehmen ausgezahlt habe. Mitarbeiter kämen gern zur Arbeit und seien zufrieden mit ihrem Job. Zudem habe sich die Produktivität im Unternehmen verbessert.

WELCHE VORTEILE HAT HOLOKRATIE FÜR MICH ALS MITARBEITER UND MEIN UNTERNEHMEN?

Befürworter von Holokratie glauben, dass das Modell folgende Vorteile hat:

  • es steigert die Motivation von Mitarbeitern
  • es befähigt Mitarbeiter, selbst Entscheidungen zu treffen und
  • es fördert Innovation im Unternehmen durch unternehmerisches Denken.

Tony Hsieh vom Online-Retailer Zappos.com sieht das genauso und sagt:

“When companies get bigger, innovation or productivity per employee generally goes down. […] Holacracy enables employees to act more like entrepreneurs and self-direct their work instead of reporting to a manager who tells them what to do.”

Als Zappos Holokratie in 2013 einführte, stelle man ebenfalls fest, dass das Modell die Unternehmenskultur positiv beeinflusste. Während es leicht fällt zu glauben, dass ein Mangel an hierarchischen Strukturen letztlich zu Chaos führt, war bei Zappos.com das Gegenteil der Fall. Tony Hsieh berichtet in einem Interview mit dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Inc.:

“There actually is more structure in some cases and more explicit documentation on what people’s different roles are, what their accountabilities are.”

Laut Hsieh führt Holokratie demnach zu mehr Transparenz im Unternehmen und Accountability der einzelnen Mitarbeiter. Weil alle Regeln des Modells in der Holacracy Constitution fein säuberlich niedergeschrieben sind, ist zudem kein Raum für Büropolitik und Vetternwirtschaft, was insbesondere für „stillere“ Mitarbeiter von Vorteil sein dürfte.

EFFIZIENTER ARBEITEN DURCH HOLOKRATIE

Ein weiterer Vorteil von Holokratie besteht in einem „Mehr“ an Effizienz. Durch den Wegfall von Bürokratie und klassischen Top-down Strukturen können Mitarbeiter effizienter arbeiten. Dinge können schneller vorangetrieben und erledigt werden, denn sie müssen nicht erst durch diverse Entscheidungsinstanzen geschoben werden, bevor ein Entschluss gefasst werden kann. In hierarchisch aufgebauten Unternehmen wird im Falle eines Problems zunächst der zuständige Manager eines Bereiches aufgesucht, der sich wiederum mit Managern anderer Bereiche oder auf höheren Hierarchiestufen abstimmen muss, um das Problem angehen zu können. Das braucht Zeit und führt zu Engpässen, in denen der Mitarbeiter die eigentliche Sache nicht weiter vorantreiben kann. Bei Holokratie ist ein ganzer Kreis für die Lösung des Problems verantwortlich. Die Zuständigkeit zur Lösung des Problems kann innerhalb des Kreises verteilt werden, so dass schnell eine Lösung gefunden werden kann. In diesem Fall kann der sowieso schon zuständige Mitarbeiter z.B. den Kreis fragen, ob er das Problem selbst lösen darf anstatt auf eine Entscheidung von außen zu warten.

GIBT ES AUCH NACHTEILE VON HOLOKRATIE?

Holokratie wird nicht nur positiv gesehen. Kritiker bemängeln, dass das Modell zu einem „Verlust des Big Picture“ führe. Aufgrund der fehlenden hierarchischen Strukturen liefen die einzelnen Kreise Gefahr, sich zu sehr auf die Aufgaben innerhalb ihres jeweiligen Kreises zu konzentrieren und dadurch das übergeordnete Ganze, sprich die strategischen Ziele des Unternehmens aus den Augen zu verlieren.

FÜR WELCHE UNTERNEHMEN EIGNET SICH HOLOKRATIE BESONDERS GUT?

Holokratie eignet sich am besten für kleine und mittelgroße Unternehmen mit klar abgrenzbaren Segmenten oder Abteilungen, die unabhängig voneinander arbeiten können. So könnte beispielsweise ein Multichannel Unternehmen, das mehrere Vertriebskanäle hat, stark von dieser Art Struktur profitieren. Jedem Team könnte ein separater Vertriebskanal zugeordnet werden und die jeweiligen Teams könnten autonom alle Prozesse eines Vertriebskanals steuern und verbessern.

WIE KANN MEIN UNTERNEHMEN HOLOKRATIE EINFÜHREN?

Wenn du Holokratie in deinem Unternehmen einführen oder mehr Infos zum Thema haben möchtest, kannst du dich hier für ein kostenloses Webinar eintragen (das Webinar ist auf Englisch). Alternativ kannst du dir das Buch* „Holacracy: Ein revolutionäres Management-System für eine volatile Welt“ von Holokratie Begründer Brian Robertson holen und dir einen Überblick verschaffen. Falls dich das Beispiel vom deutschen Holokratie-Unternehmen Raidboxes inspiriert hat, hast du die Möglichkeit hier ihre Kick-Off Präsentation sowie einen Auszug aus ihrem Rollendokument herunterzuladen. Wir wünschen dir viel Spaß beim Stöbern und lernen.

Kurz zum Schluss: Dieser Blogpost enthält Affiliate Links zu Produkten und Services, die wir toll finden und aus Überzeugung weiterempfehlen, eben weil wir sie toll finden. Entsprechende Links sind mit einem (*) gekennzeichnet.

Hast du bereits Erfahrung mit Holokratie gemacht? Dann lass uns einen Kommentar da!

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2 Kommentare zu „WEG MIT DEN CHEFS! WIR STEUERN MIT HOLOKRATIE.“

    1. Hi Johannes,

      sehr gern. Ich erinnere ich noch gut an unser Gespräch diesbezüglich und seitdem wollte ich einen Artikel darüber schreiben. Nun endlich ist er raus. 🙂

      LG,
      Bea

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